Der Nachhaltigkeitsansatz des IPD
Wie beide Handelspartner davon profitieren
Durch die Importförderung des IPD entstehen sowohl neue Beschaffungs- als auch neue Absatzmärkte. Der globale Handel bringt Nutzen sowohl für Einkäufer als auch für Produzenten. Importeure entdecken das Potenzial in den IPD-Partnerländern und zugleich machen Produzenten die ersten Schritte auf dem europäischen Markt. Ebenso haben beide Seiten Vorteile vom nachhaltigen Wirtschaften: Sie profitieren davon, dass sie ihre wirtschaftlichen Interessen mit ökologischen und sozialen Belangen vereinbaren.
Für beide Seiten gilt: Der Schutz natürlicher Ressourcen ist die Grundlage für langfristige Geschäftsbeziehungen. Und dieses Bewusstsein ist sowohl bei den Importeuren, die die IPD-Services in Anspruch nehmen, als auch bei den Produzenten im IPD-Programm hoch.
Ziel des IPD ist es, wirtschaftliches Wachstum, Schutz der natürlichen Ressourcen und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit wie die Unterstützung der Menschen in den meist ländlich geprägten Regionen, miteinander in Einklang zu bringen. Als Mitglied des Netzwerks „Partners in Transformation – Business & Development Network“ unterstützt das IPD die Strategie des Bundesentwicklungsministeriums, die sozial-ökologische Wirtschaftstransformation in den Partnerländern voranzutreiben.
Im Interview stellt Tabea Mack, Abteilungsleiterin Sourcing und Märkte beim IPD in Bonn, den Nachhaltigkeitsansatz des IPD vor. Sie erklärt, wie Importeure angesichts der Anforderungen an ökologischen und sozialen Kriterien die IPD-Services nutzen können und zeigt die Vorteile von nachhaltigen Lieferketten für Produzenten im globalen Wettbewerb auf. Zudem schildert sie, wie das IPD die Produzenten in Trainings auf den Bedarf der Importeure vorbereitet.

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit beim IPD?
Nachhaltigkeit ist von zentraler Bedeutung für das IPD – sowohl als entwicklungspolitisches Projekt als auch als Initiative der Importförderung.
Mit Blick auf unsere Partnerländer hat nachhaltiges Handeln und Wirtschaften positive Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen und die Arbeitsbedingungen vor Ort.
Als Initiative der Importförderung unterstützen wir europäische Unternehmen mit einer sorgfältigen Vorauswahl an potenziellen Handelspartnern. Die Erfüllung von Sozial- und Umweltkriterien bzw. ESG-Vorgaben („Environment, Social und Governance“) sind wesentliche Anforderungen des europäischen Marktes.
Welche Schwerpunkte legt das IPD?
Wir beim IPD verfolgen einen umfassenden Ansatz, der alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit umfasst.
Selbstverständlich arbeiten wir daran, dass unsere Arbeit wirtschaftlich nachhaltig ist – für Importunternehmen in Europa und Produzenten in unseren Partnerländern gleichermaßen.
Eine Voraussetzung dafür ist es, dass die IPD-Unternehmen auch ökologische und soziale Nachhaltigkeitsanforderungen und dem Bedarf des europäischen Markts an nachhaltiger Beschaffung gerecht werden. Wir unterstützen IPD-Unternehmen dabei, dass sie sich für den Schutz von natürlichen Ressourcen engagieren und sich für die Menschen vor Ort – im Unternehmen oder in der Gemeinde – einsetzen.
In unseren Trainings und Coachings zeigen wir auf, wie relevant die ESG-Kriterien und transparente Lieferketten sind, um auf dem europäischen Markt dauerhaft Fuß zu fassen. Ergebnisse der Workshops und individuellen Beratungen sind ein ESG-Scan und ein ESG-Action Plan, in denen die Unternehmen ihre bestehenden Maßnahmen evaluieren und Anpassungen sowie Ergänzungen planen.
Wie profitieren Importeure vom Nachhaltigkeitsansatz des IPD?
Importeure stehen vor großen Herausforderungen: Verbraucherwünsche und die steigenden gesetzlichen Anforderungen auf verschiedenen Ebenen setzen europäische Importeure immer mehr unter Zugzwang, ihre Lieferkette bezüglich Nachhaltigkeit zu überprüfen. Auch ist der Bedarf nach mehr Stabilität und Resilienz angesichts der geopolitischen Herausforderungen und der Folgen des Klimawandels gestiegen.
Also: Nachhaltigkeit und Stabilität sind gefragt.
Unternehmen im IPD-Programm sind darauf vorbereitet. Sie kennen die Anforderungen des europäischen Marktes und entwickeln in Trainings und Coachings konkrete Aktionspläne zur Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien. Fortschritte werden dokumentiert und schaffen Transparenz für Importeure.
Die Unternehmen im IPD-Programm sind also bereit, die Herausforderungen anzugehen und gemeinsam mit europäischen Geschäftspartnern nachhaltige Lieferketten zu entwickeln.
Hier zeigen sich die Vorteile des Direkthandels. Der persönliche Austausch erleichtert die Zusammenarbeit: Geschäftspartner können Prioritäten abstimmen, individuelle Anforderungen berücksichtigen und gemeinsam nachhaltige, stabile Lieferketten aufbauen – zum Vorteil beider Seiten.
Wie unterstützt das IPD die Unternehmen im IPD-Programm dabei, den Nachhaltigkeitsanforderungen des EU-Markts gerecht zu werden?

Bereits seit einigen Jahren haben wir ESG-Trainings eingeführt, um die Bedeutung von verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln zu vermitteln und ein ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit zu fördern.
In den Trainings informieren wir die Unternehmen zudem konkret über gesetzliche Rahmenbedingungen und Marktanforderungen zu Umwelt- und Sozialstandards, angepasst an Branchen- und länderspezifische Gegebenheiten.
Zu den Themen gehören Ressourcenschutz, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, soziale Mindeststandards, Compliance sowie Diversität und Inklusion.
Durch unsere Webinare und individuellen Coachings lernen die Unternehmen, die wichtigsten Ansatzpunkte in ihren Wertschöpfungsketten zu identifizieren. Am Ende des Trainings entsteht ein ESG-Action Plan, der individuell auf das Unternehmen zugeschnitten ist.
Wir sehen, der Bedarf an unseren ESG-Trainings ist groß. Für viele Firmen ist ESG bereits ein Teil ihrer Kultur – unsere Trainings unterstützen sie bei der strategischen Verankerung im Unternehmen.
Unser Angebot umfasst E-Learning, Webinare in Gruppen und 1:1 Coachings, digital oder vor Ort in den Partnerländern. Durch die Zusammenarbeit mit Fachverbänden und Exportförderorganisationen wird ESG-Wissen weitergegeben, viele Unternehmen erreicht und ein Wandel in den Sektoren angestoßen.
Wie unterstützt das IPD bei Nachhaltigkeitszertifizierungen?
Grundsätzlich zeigt es sich, dass Zertifizierungen auf dem europäischen Markt eine immer wichtigere Rolle spielen, abhängig von Branche und Produktgruppe.
Im Bereich Natürliche Zutaten und Frisches Obst & Gemüse spielt etwa die Bio-Zertifizierung eine wichtige Rolle. Das IPD weist Unternehmen auf dieses Potenzial hin und begleitet sie beim Zertifizierungsprozess.
Im Sektor Nachhaltiger Tourismus sind die Zertifizierungen „Travelife“ und „Tourcert“ die Richtschnur für Nachhaltigkeit. Wir unterstützen die Unternehmen daher dabei, die Anforderungen dieser offiziellen Zertifizierungen zu erfüllen.
Jedoch nicht für alle IPD-Unternehmen sind diese sehr umfassenden Systeme passend. Daher hat das IPD eine „Sustainability Scorecard“ entwickelt. Sie ermöglicht es den Unternehmen, ihre Fortschritte zu dokumentieren und sie gibt den europäischen Reiseveranstaltern ein Bewertungsinstrument an die Hand.
In Branchen ohne etablierte Zertifizierungen geht es eher um konkrete Maßnahmen wie alternative Energien oder nachhaltiges Ressourcenmanagement. Hier dient der ESG-Action Plan als Nachweis des Engagements und Status.
Auch soziale Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung, etwa durch das Lieferkettengesetz. Das IPD unterstützt Produzenten dabei, länder-, produkt- und unternehmensspezifische Risiken zu erkennen und daraus Handlungen abzuleiten.
Was sind die Argumente für die IPD-Unternehmen, in Nachhaltigkeit zu investieren?
Der Schutz der natürlichen Ressourcen ist ein stark verankertes Argument in den ländlichen Regionen. Die Menschen gehen mit der Natur verantwortlich um, da sie die Menschen in der Region ernährt. Auch die faire Zusammenarbeit und das soziale Engagement vor Ort wird von den IPD-Unternehmen bereits lange gelebt. Bei vielen Unternehmen ist also ein Grundverständnis und eine Überzeugung für Nachhaltigkeit bereits vorhanden.
Hinzukommen wirtschaftliche Argumente. Den Anforderungen des europäischen Marktes gerecht zu werden, ist dabei nur ein Vorteil. Zudem hilft das ESG-Engagement den kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei, sich vom Wettbewerb abzuheben. Die ESG-Kriterien sind ein Differenzierungsmerkmal, das den Zugang zum europäischen Markt erleichtert, aber auch höhere Preise rechtfertigt.
Darüber hinaus haben die ESG-Trainings, das hat sich gezeigt, ein riesiges Potenzial für betriebliche Verbesserungen. Die Unternehmen prüfen ihren Status quo, professionalisieren Strukturen, gestalten effizientere Prozesse, modernisieren die Technik. Dadurch minimieren sie Risiken in ihren Betriebsabläufen und stärken ihre Resilienz. Von einer „Investition“ in Nachhaltigkeit kann also nicht die Rede sein. Nachhaltigkeit zahlt sich für Natur, Mensch und die Handelspartner aus.



